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Der Speckbacher

von Friedrich Rückert (1788 - 1866)

Der Speckbacher, der Speckbacher!
wenn der die Schützen rief, - der Tag
und Nacht und Nacht und Tag
den Feinden auf der Fährte lag
und gar des Nachts nicht schlief.

Zum Schlafen nahm er sich nie Zeit,
als wenn er nachts wo ritt; wenn dann
das Pferd des Wegs fort lief, so saß
der Held darauf und schlief und kam
vom Fleck damit.

Und wenn wo kam ein Scheideweg,
so stand der kluge Gaul; aufwacht'
der Held und wohlgemut als hätt er
recht die Nacht geruht, war er den Tag
nicht faul.

Der Speckbacher, der Speckbacher!
als er vor Kufstein lag,
ging er auf Kundschaft selbst zur Stadt,
zu sehn, ob sie noch Vorrat hat und sich
noch halten mag.

Und als auf ihn Verdacht gefasst
der Festung Kommandant,
ließ er ihn hin ins Zimmer stehn,
von Leuten ihn beim Licht besehn,
die ihn sonst wohl gekannt.

Da sah der Held so mutig drein,
so seltsam ganz und gar,
dass er von Keinem ward erkannt,
und ihn entließ der Kommandant
hinaus zu seiner Schar.

Der Speckbacher, der Speckbacher!
wenn er zum Kampf zog aus,
da lief sein kleiner Bub ihm nach,
und was der Vater droht' und sprach,
er blieb doch nicht zu Haus.

In das Gewehrfeur lief er 'nein,
da wies man ihn hinaus;
da macht sich seitwärts hin der Bub,
wo Kugeln schlugen ein,
die grub er mit dem Messer aus.

Und wie er sieht,
den Schützen fehlt es an Munition,
läuft er damit hinein ins Glied und bringt,
dass es sein Vater sieht,
sein Hütlein voll davon.

Der Speckbacher, der Speckbacher!
als es nun lang gewährt,
der Held nun gehn musst auf die Flucht,
wird er von Reitern aufgesucht,
für vogelfrei erklärt.

Im Winter tief im Schneegebirg
musst er umirren gehn;
als er sich in das Wetterloch
in seiner höchsten Not verkrach,
hatt' er viel auszustehn.

Im Mute der Verzweifelung
trieb's ihn zuletzt heraus;
er wagts, ins Tal hinabzugehn,
sein treues Weib einmal zu sehn,
schlich er sich in sein Haus.

Da fängt sein treuer Knecht ihn auf:
Im Haus kein Flecklein ist,
die Reiter liegen überall;
er muss den Herrn im Pferdestall
eingraben unterm Mist.

Der Knecht trägt ihm das Essen zu
in seinem schlimmen Bett;
da liegt er mit begrabnem Leib
und darf nicht einmal sehn sein Weib,
so gern getan erst hätt'.

Da lag er einen Monat lang
und etwa länger noch;
da musst er auch von da nun fort;
sein treues Weib wollt er am Ort
zuletzt nur sprechen doch.

Da weinete das edle Weib
in ungestillter Qual,
daß ihr vor Schmerz das Herz zerbrach,
weil liegen musst in solcher Schmach
ihr edeler Gemahl.